You are currently viewing Landesweite Gedenkveranstaltung ERINNERN, BETRAUERN, WACHRÜTTELN am 27. Januar 2024 in Alt Rehse & Neubrandenburg
Gedenken ERINNERN — BETRAUERN — WACHRÜTTELN

Die „Aktion T4“ aus der Nazizeit zählt ohne Zweifel zu den größten und schrecklichsten Fehlern in der deutschen Geschichte, ja es geht um Verbrechen!

„Aktion T4 ist eine nach 1945 gebräuchlich gewordene Bezeichnung für den systematischen Massenmord an mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland von 1940 bis 1941 unter Leitung der Zentraldienststelle T4. Diese Ermordungen waren Teil der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus, denen bis 1945 über 200.000 Menschen zum Opfer fielen.“ Quelle: Wikipedia

Aber die sogenannte „Eugenik“ (Lehre der vermeintlich guten Erbanlagen – Quelle: Planet Wissen) geht zurück bis auf die Evolutionslehre des britischen Naturforschers Charles Darwin in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Idee hinter der „Eugenik“ existierte schon sehr lange. In der Nazizeit ab 1933 wurden Menschen mit seelischen/psychischen Krankheiten sowie geistig und körperlich behinderte Menschen dann sterilisiert, dem Verhungern überlassen, mit einer Überdosis Medikamenten getötet, vergast oder anders hingerichtet. Die „Nationalsozialistische Rassenhygiene“ diente zur Rechtfertigung von Massenmorden, die als „lebensunwert“ definierten Menschen, um grausame Menschenversuche in verschiedenen Konzentrationslagern zu verüben.

In Mecklenburg-Vorpommern und in ganz Deutschland wird jährlich der Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistigen und körperlichen Behinderungen gedacht, die im Nationalsozialismus zwangssterilisiert oder im Rahmen der „NS-Euthanasie“ ermordet oder in Vernichtungslager deportiert wurden.

Am 27. Januar gedenken wir in Deutschland den Opfern des NS-Regimes und somit auch den Menschen, die Opfer der NS-Euthanasie und Zwangssterilisationen wurden. Heute ist ein solches Grauen glücklicherweise Vergangenheit. Aber an vielen Vorurteilen gegenüber Menschen mit seelischen/psychischen Problemen hat sich leider noch nicht so viel geändert. Man nennt das auch „Stigmata/Stigma“ oder „zweite Krankheit“. Stigmata sind gesamtgesellschaftlich gewachsen und viele halten sich bis heute hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Sie beruhen auf der Angst, vor dem, was anders ist. Neben der Angst vor dem Unbekannten spielt fehlendes Wissen oder Halbwissen oder falschen Annahmen eine große Rolle zur Entstehung von Ablehnung bis hin zu Behindertenfeindlichkeit (Ableismus).

Tatsächlich erkranken jährlich bis zu 20 Millionen Menschen der Bevölkerung an psychischen Erkrankungen. Einige Quellen sprechen von noch mehr Betroffenen, Quellen: Reha-Infoärzteblatt.de oder DGPPN Dossier 2018.

Es gibt bereits sehr gute Anti-Stigma-Projekte, durch die immer mehr Menschen besser aufgeklärt werden, z. B. „Verrückt? Na und!“ von IRRSINNIG MENSCHLICH.

Viele Menschen arbeiten heute in den unterschiedlichsten Kontexten für eine vielfältigere Gesellschaft, bessere Lebensbedingungen und die Abnahme von Stigmata, Behindertenfeindlichkeit sowie Zwang und Gewalt ggü. Menschen mit Behinderungen.

Wir wollen uns dafür einsetzen, dass sich die Verbrechen der damaligen Zeit nicht wiederholen und den Opfern gedenken. Lasst uns die Augen nicht vor Ungerechtigkeiten verschließen.

Zum Gedenken finden an verschiedenen Orten in ganz Deutschland Gedenkveranstaltungen statt. Der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V. (LSP M-V e. V.) ruft dazu auf, durch regionale Aktionen am 27. Januar 2023 ein gemeinsames Zeichen des Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus und gegen Faschismus und Menschenfeindlichkeit zu setzen.

Wir wollen dies durch eine landesweite Schweigeminute am 27. Januar 2023 um 10:00 Uhr ausdrücken.

Der LSP M-V e. V. möchten Eure bzw. Ihre regionalen Besuche bzw. Aktionen an Orten des Gedenkens, z. B. an Stolpersteinen, an den einzelnen Mahnmalen, in Gedenkstunden in psychosozialen Einrichtungen oder im Gemeinwesen – online zusammenführen und am 27.01.2023 ab 19:00 Uhr dokumentieren.

Die Momente des Gedenkens bitten wir, per Foto festzuhalten und dieses bitte an LV@sozialpsychiatrie-mv.de zu übersenden (Fotos als JGP- oder PNG-Bild-Datei als Anhang der E-Mail einfügen).

Am 27.01.2024 Mal treffen wir uns in Alt Rehse, dem Ort mit einer besonders prägenden Geschichte für die Durchführung der menschenverachtenden NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisierungen.

Wir erinnern dabei an Wegbegleiter, die unsere Gedenkveranstaltungen seit 2008 aktiv mit prägten und begleiteten: Käthe Schüler, Prof. Dr. Harald Freyberger und Prof. Dr. Klaus Dörner. Wir möchten Sie auch in deren Namen und Andenken dazu aufrufen, nicht darin nachzulassen, den Blick auf die Opfer der NS-„Euthanasie“ und die Geschichte der Profession der Helfenden zu richten. Heute ist es an uns, die Rahmenbedingungen mit ein einer stabilen Haltung von Respekt und Toleranz im Sinne der Menschenrechte und der UN-Behindertenkonvention zu gestalten und gegen alle Anfeindungen und Ausgrenzungen zu verteidigen.

„Nur wenn die „Euthanasie“-Toten uns ohne Unterlass an die stets offenen Wunden der Psychiatrie erinnern, sind sie vielleicht nicht umsonst gestorben.“ Prof. Dr. Klaus Dörner (1933 – 2022)

Wir danken allen für das Engagement und wollen damit gemeinsam unsere Haltung für ein vielfältiges und solidarisches Zusammenleben zum Ausdruck bringen.

Website LSP M-V e. V. sowie Christian Kaiser und Nicole Heyden von EX-IN Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Flyer LSP Gedenkveranstaltung 2024