Genesungsbegleiter Kai im Interview
Genesungsbegleiter Kai / Foto: Thomas Greve

Wenn Du magst, gib mir folgende Angaben: Vorname, Alter, Beruf, Spitze wäre natürlich noch
ein Foto…

Kai, 54, Aktuell Genesungsbegleiter (gelernt KFZ-Mechaniker, Informatikkaufmann)

Wo genau (Klinik, Station) und seit wann arbeitest Du als Genesungsbegleiter?

Ich arbeite in der Klinik für Forensische Psychiatrie Rostock, hauptsächlich auf der Aufnahmestation und der Motivationsstation, natürlich auch auf allen anderen Stationen
Ich habe am 01 September 2020 angefangen.

Was sind Deine konkreten Aufgaben? Wie viele Stunden in der Woche arbeitest Du dort?

Angefangen habe ich mit einer 20 Stunden Stelle. Seit dem 01.01.2021 bin ich fest angestellt und habe 30 Stunden die Woche.
Ich biete Gespräche an und bin für die Patienten da. Außerdem nehme ich in verschiedenen Gruppen aktiv an Reflexionsgruppen teil.
Ich bin bei Visiten und Dienstübergaben aktiv dabei.
Ebenfalls biete ich Aktivitäten wie Kochen, Backen, Filme, Diskussionen Wöchentlich an.
Ich tausche mich auf Augenhöhe mit allen Beteiligten aus und lasse alle an meinen Erfahrungen teilhaben.
Als Genesungsbegleiter dolmetsche ich zwischen Profis und Patienten.
Ebenfalls dokumentiere ich ausführlich meine gesamte Arbeit und stelle sie dem
Forschungsteam zur Verfügung, welches mich begleitet (Inklusive Datenschutz).

Wem bist Du unterstellt und wer hat dafür gesorgt, dass die Stelle geschaffen wurde?

Ich reflektiere mich regelmäßig im Team, sowie auch mit den Profis und der Klinikdirektorin.
Die Klinikdirektorin Frau Prof. Dr. Völlm hat, nachdem sie mich ausgiebig kennengelernt hat, dafür gesorgt, dass ich dort zwei Praktika absolvieren konnte, um mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Dann bekam ich zum September 2020 ein auf vier
Monate befristetes Jobangebot auf 20 Stunden Basis. Ich legte erst mal los mit dem Wunsch Genesungsbegleitung als festen Bestandteil zu etablieren. Im Dezember bekam ich von der Klinikdirektorin persönlich die Nachricht, ab Januar 2021 eine feste Stelle mit 30 Stunden zu bekommen.

Wie sieht Dein Kontakt im Team aus? Wie sind Deine Erfahrungen damit?

Meine Erfahrungen im Team sind besser als ich es mir hätte erträumen können! Ich werde auf Augenhöhe Ernst genommen und bin vollständig integriert. Da ich zu Anfang das Du als  auch das Sie angeboten habe, war interessant, dass diejenigen, die zuerst auf Sie bestanden haben von sich aus mit dem Du anfingen. Bei den Dienstübergaben bin ich ebenfalls dabei.

Wie sieht Dein Kontakt mit den Patent*innen aus? Wie sind Deine Erfahrungen damit?

Ich finde sehr schnell einen Zugang, da die Patienten merken, dass ich weiß wovon ich rede.
Die Gespräche finden unter vier Augen statt. Auch haben die Patienten Vertrauen zu mir.
Die Gespräche werden entweder bei mir angemeldet, oder finden spontan statt, da ich zwischen den Stationen pendele und mich austausche.

Welche Rückmeldungen zu Deiner Arbeit hast Du von den Patient*innen und von den Profis bekommen?

Persönlich bekomme ich sowohl von den Patienten als auch vom Personal bis jetzt nur positive Rückmeldungen. Da ich mich regelmäßig reflektiere kann ich meine Vorstellung mit den Eindrücken anderer vergleichen.

Was macht Dir am meisten Spaß? Wobei fühlst Du Dich richtig wirkungsvoll?

Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit, da ich endlich etwas zurückgeben kann. Ich habe das Gefühl willkommen zu sein. Sowohl der direkte Kontakt mit Patienten als auch der Austausch mit allen anderen macht mich glücklich und ist damit fester Bestandteil meines
Lebens geworden. Ich habe Spaß an meiner Arbeit, das Gefühl etwas gutes zu tun. Das ist mein Garant dafür, dass meine Arbeit gut wird.

Das Interview führte Hendrik Fulda.